Die Stoßdämpferteststrecke Böhler Weg: Straße oder Ackerweg?

Besucht uns jemand das erste mal, ist er (so er uns überhaupt findet) in der Regel recht stark über den Zustand des Böhler Wegs verwundert. Häufig wird mir versichert, einen derart schlechten Straßenzustand gäbe es in Wuppertal nicht noch einmal. Diese Straße wurde im Jahr 1754 durch den Militäringenieur und Hauptmann Mansfeld angelegt, 1848 als  Communalweg ausgebaut und böse Zungen behaupten, in diesem Zustand sei sie denn auch heute noch.

Nun ist das Gras im Nachbars Garten auch nicht immer grüner und ich kenne einige Ecken in der Stadt, die sich locker für das Wettbewerbsfinale von „Die schlechteste Straße Wuppertals“ qualifizieren, aber ganz von der Hand  zu weisen ist diese Kritik nicht.

Schlaglöcher
Abschnitt des Böhler Wegs im oberen Bereich. Könnte auch moderne Kunst sein.


Wir müssen uns mit der Tatsache abfinden, dass sich Böhler Weg, Bergfrieden und Am Dausendbusch als Anliegerstraßen ohne ÖPNV-Bedienung in Sachen Straßenerhalt eher unter „ferner liefen“ befinden. Aber muss es abschnittsweise wirklich ein reiner Ackerweg sein?

Nach jeder Frostperiode werden fleißig die gröbsten Löcher mit Kaltasphalt gefüllt und bei Verwendung des Mängelmelders auf der Internetseite der Stadt erfolgt üblicher- und vorbildlicherweise eine Verfüllung sogar innerhalb von ein bis zwei Werktagen. Aber das ist und bleibt nur ein Provisorium, dessen Halbwertzeit überschaubar ist.

So gibt es dann Abschnitte, an denen sich hunderte Flicken neben dutzenden von Frostschäden befinden. Ein Forscher über verschiedene Asphaltsorten würde dort wohl auf 10 m2 Straßenfläche ein dutzend in der Wissenschaft noch unbekannte Materialmischungen finden, die ein mit Löchern durchsetztes, geschichtetes Konglomerat mit keinesfalls ebener Oberflächenstruktur bilden.

Finden Tiefbauarbeiten statt, wird zum Abschluss auch in bisher unbeschädigten Bereichen auch nur ein neuer kleiner Flicken aufgebracht, eine ganzheitliche Asphaltierung auch nur von Teilabschnitten scheint nie eine Option zu sein. Die Ränder der Flicken sind mit dem „Popometer“ durchaus spürbar und dankbare Angriffsfläche für neuen Schlaglochfraß.

Diese Wirtschaftsfördermaßnahme für Stoßdämpferhersteller und KFZ-Handwerk ist nicht nur ein Problem für den motorisierten Verkehr in der Straße, sondern stellt prinzipbedingt eine gewisse Gefährdung aller Nutzer dar. Ein Befahren mit Kinderrollern oder ähnliches verbietet sich sowieso, auch Fußgängern ist es angeraten zur Vermeidung von Stolpergefahren ständig den Boden im Blick zu haben.

Hinzu kommen zwischen der Oberbergischen Straße und dem Aufstieg zur Lichtscheider Straße satte 13 sogenannte Berliner Kissen (offiziell: Bremsschwellen), die der Verkehrsberuhigung dienen sollen. Also ob bei dem Straßenzustand das noch notwendig wäre.

Bevor die Siedlung am Käthe-Kollwitz-Weg gebaut wurde und das gesamte Gelände der heutigen Siedlung von gerade mal vier Häusern am Böhler Weg und einer Fernmeldeeinrichtung der Polizei bebaut war, ansonsten dort nur Kühe und Schafe weideten (warum kommt mir gerade eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten in den Sinn?), sind irgendwann in den 1980/90er Jahren mal drei von diesen Dingern in die Straße eingebaut worden. Man erkennt sie noch heute an der roten Asphaltfarbe.

Böhler Weg Ecke Bergfrieden
Der Böhler Weg an der Einmündung des Bergfriedens in den 1990ern vor dem Bau der Bema Komfortbaudoppelhäusereinöde. Schon damals war eine durchgehende Asphaltfläche nicht vorhanden. Ein Schild warnt vor den drei Berliner Kissen. Die Treppe hoch zur Lichtscheider Straße wurde im Rahmen des Siedlungsbaus saniert und die restlichen Holz- durch Steinstufen ersetzt.

Nachdem die neuen Berliner Kissen angebracht wurden, fuhr ich eines Nachts unwissend im dunklen nach Hause. Da ich in reinen Wohngebieten grundsätzlich mit Kindern, Hunden, Fußgängern und sonstigen Nebennutzern rechne, war meine Geschwindigkeit wie immer auf dem Böhler Weg eher moderat. Dennoch tat es auf einmal einen Schlag und ich dachte, mein Fahrwerk wäre abgebrochen und läge nun hinter mir – meine erste Bekanntschaft mit den neuen Hubbeln, dessen erster im Bereich mitten zwischen zwei der funzeligen Laternen lag und dazu auch eine recht gute Tarnfarbe besaß.

Eine Inspektion am Folgetag mit Zollstock ergab bis zu 18cm hohe, fast senkrechte Kanten an einigen der Dinger. Es wurde stracks persönlich das Tiefbauamt angerufen und Beschwerde eingelegt. Ein Verantwortlicher versprach sich das am Folgetag mal anzuschauen. Ich kann nur mutmaßen, ob dessen Fahrwerk anschließend auch einer Reparatur bedurfte, jedenfalls hat keine drei Tage später ein Bautrupp Rampen an alle Kissen angebracht. Das wiederum hat dann wieder die üblichen Chefideologen vor Ort auf den Plan gerufen, denen das jetzt wieder nun zu wenig gängelnd war. Der Mann vom Tiefbauamt hat sich aber glücklicherweise geweigert die Nachbesserungen wieder nachschlechtern zu lassen und so blieb bei diesen Bremsschwellen ein akzeptabler Kompromiss, der bis heute Bestand hat.

Die alten Berliner Kissen waren nett, aber nicht weiter störend. Die von einer Auswahl von Anwohnern lautstark lamentierten üblen Raser auf der Straße (keiner hält sich an die Begrenzung …; mehr als 100 km/h, mindestens …) erwiesen sich nach Feststellungen der Polizei im Rahmen von unangekündigten Geschwindigkeitsmessungen doch eher als imaginiert als real. Aufgrund von Sinnlosigkeit, erheblicher Langeweile der beteiligten Ordnungshüter und Besseres-zu-tun-habens zogen die Beamten unverrichteter Dinge wieder ab und die Kontrollen wurden auch nach ein paar Terminen wieder ganz eingestellt.

Irgendwann war dann wohl doch etwas Asphalt über und es wurden zehn weitere Berliner Kissen zusammen mit diesen komischen Gehwegtrennern aus Gummi installiert, wobei offenbar die bereits existierenden Berliner Kissen nicht berücksichtigt wurden und eher unmotiviert zwischen den neuen lagen (zwei Stück innerhalb von 15 Metern, dann 50 Meter keines mehr). Sollte das ein tieferen Sinn gehabt haben, möge man ihn mir bitte mitteilen.

Indes: Eine vollständige Sanierung des Böhler Wegs wäre doch mal wünschenswert, aber führt wohl zu einem Problem für die Hausbesitzer links und rechts der Straße:

Der Böhler Weg ist noch nicht vollständig erschlossen, bei einer vollständigen Herrichtung werden daher für die Grundstücksbesitzer dort Straßenbaubeiträge oder sogar Erschließungsbeiträge fällig.

Er wird in der offiziellen Liste der „Beitragspflichtigen Straßen nach dem Baugesetzbuch in der Stadt Wuppertal“ als Straße geführt, für die „bisher wegen fehlender Voraussetzungen insgesamt noch keine Erschließungsbeitragspflicht nach den Bestimmungen des Baugesetzbuchs (BauGB) entstanden ist“ und daher für die „grundsätzlich in Zukunft noch Erschließungsbeiträge erhoben werden“ (BTW, Bergfrieden und Am Dausendbusch stehen nicht in dieser Liste).

Autsch, das wird teuer.

Nachtrag (August 2016): Der Straßenzustand des Böhler Wegs ist mittlerweile sogar Thema in der Lokalpresse.

2 Gedanken zu „Die Stoßdämpferteststrecke Böhler Weg: Straße oder Ackerweg?“

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